In manchen Stunden kostet Strom im Großhandel weniger als nichts. Was negative Strompreise sind, wie oft es sie gibt und warum auf deiner Rechnung davon meist nichts ankommt.
Negative Strompreise gibt es wirklich: In manchen Stunden kostet Strom im Großhandel weniger als nichts. Wie kann das sein? Und warum merkst du davon auf deiner Rechnung meist nichts?
Das ist ein Teil vom Crashkurs Strom. In jedem Teil beantworten wir eine Frage. Diese lautet: Warum kostet Strom im Großhandel manchmal weniger als nichts?
Kurz und knapp: Negative Strompreise gibt es in Stunden, in denen mehr Strom da ist, als gerade gebraucht wird. Dann kostet Strom im Großhandel weniger als nichts. Wer dann im Großhandel Strom abnimmt, bekommt Geld dafür. 2025 lag der Großhandelspreis in 573 von 8.760 Stunden unter null, 2024 in 457 Stunden (Bundesnetzagentur). Auf deiner Rechnung kommt davon meist nichts an.
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026
Was sind negative Strompreise?
Ein negativer Strompreis heißt: Strom kostet im Großhandel weniger als nichts. Der Großhandel ist der Markt, auf dem unter anderem Stromanbieter ihren Strom einkaufen, zum Beispiel an der Strombörse.
Im August wachsen in vielen Gärten mehr Zucchini, als man essen kann. Irgendwann bist du froh, wenn du sie überhaupt loswirst. Dann landen sie in einer Kiste auf der Gartenmauer, mit einem Zettel: „Bitte mitnehmen“.
Ähnlich ist es an manchen sonnigen Mittagen mit Strom: Es ist mehr da, als gebraucht wird, und der Preis im Großhandel fällt unter null. Wer dann im Großhandel Strom abnimmt, bekommt Geld dafür.
Hier hinkt der Vergleich: Wer Zucchini verschenkt, legt kein Geld dazu. Im Großhandel mit Strom kommt das Gegenteil vor: Wer in diesen Stunden Strom verkauft, zahlt dafür, dass jemand ihn abnimmt (Bundesnetzagentur, SMARD).
Wie oft gibt es negative Strompreise?
2025 lag der Großhandelspreis in 573 von 8.760 Stunden unter null, 2024 in 457 Stunden (Bundesnetzagentur). Die Zahlen gelten für den Day-Ahead-Handel in Deutschland. Dort wird Strom am Vortag für den nächsten Tag gehandelt.
Meist sind es sonnige oder windige Stunden, oft mittags, in denen gerade wenig Strom gebraucht wird. Wenn viel Sonne auf wenig Bedarf trifft, sinkt der Preis auf null oder darunter (Bundesnetzagentur, SMARD).
Warum fällt der Preis unter null und nicht nur auf null?
Der Preis fällt unter null, weil manche Anlagen auch dann weiter Strom erzeugen, wenn mehr als genug da ist. Dafür gibt es mehrere Gründe (Bundesnetzagentur, SMARD; Fraunhofer ISE):
Manche Kraftwerke lassen sich nicht schnell oder nur mit hohen Kosten herunterfahren. Sie laufen weiter.
Es gibt zu wenig Verbrauch, der sich kurzfristig in diese Stunden verschieben lässt.
Es gibt zu wenig Speicher, die den Überschuss aufnehmen.
Manche Anlagen bekommen eine Vergütung, die nicht vom Börsenpreis abhängt.
Ein Preis von null reicht dann nicht, um Erzeugung und Bedarf auszugleichen. Erst ein Preis unter null gibt einen Grund, Anlagen zu drosseln oder mehr Strom abzunehmen.
Warum merkst du auf deiner Rechnung meist nichts davon?
Auf deiner Rechnung kommt davon meist nichts an. Dafür gibt es zwei Gründe.
Erstens: Negative Strompreise gibt es in einzelnen Stunden im Großhandel. Stromanbieter kaufen einen großen Teil ihres Stroms im Voraus ein, für längere Zeiträume. Kurze Ausschläge an der Börse kommen deshalb erst spät und nur zum Teil bei den Preisen für Haushalte an (Bundesnetzagentur, SMARD).
Zweitens: Ein großer Teil deiner Rechnung bewegt sich gar nicht mit dem Preis an der Börse. Dazu gehören Netzentgelte, die Stromsteuer, Abgaben und Umlagen.
Mittags viel Solarstrom, abends weniger
Mittags liefern die Solaranlagen oft mehr Strom, als gerade gebraucht wird, abends weniger. Am Abend decken andere Anlagen den Bedarf.
Den Überschuss vom Mittag kann das Stromnetz nicht bis zum Abend aufheben. Im Stromnetz müssen Erzeugung und Verbrauch in jedem Moment gleich schwer sein, wie die zwei Seiten einer Wippe. Wie das genau funktioniert, steht im ersten Teil vom Crashkurs Strom.
Bei Strom zählt also nicht nur, wie viel da ist, sondern auch, wann.
Und was hat das mit uns zu tun?
Für uns ist der Überschuss am Mittag der Strom, um den es geht. Dein Strom kommt von Anlagen in deiner Nähe. Wir kaufen ihn dort, wo du ihn verbrauchst.
Warum bekommen im Großhandel alle den Preis des teuersten Kraftwerks, das gerade noch gebraucht wird? Darum geht es im nächsten Teil vom Crashkurs Strom.
Häufige Fragen zu negativen Strompreisen
Was bedeutet ein negativer Strompreis?
Ein negativer Strompreis heißt, dass Strom im Großhandel weniger als nichts kostet. Das passiert in Stunden, in denen mehr Strom da ist, als gerade gebraucht wird. Wer dann im Großhandel Strom abnimmt, bekommt Geld dafür.
Wie oft gab es 2025 negative Strompreise?
2025 lag der Großhandelspreis in 573 von 8.760 Stunden unter null, 2024 in 457 Stunden (Bundesnetzagentur). Die Zahlen gelten für den Day-Ahead-Handel in Deutschland. Meist sind es sonnige oder windige Stunden, oft mittags.
Warum gibt es negative Strompreise?
Negative Strompreise gibt es, wenn mehr Strom erzeugt wird, als gerade gebraucht wird. Manche Kraftwerke lassen sich nicht schnell herunterfahren. Es gibt zu wenig Speicher und zu wenig Verbrauch, der sich kurzfristig verschieben lässt. Dann fällt der Preis im Großhandel unter null.
Bekomme ich Geld, wenn der Strompreis negativ ist?
Im Großhandel bekommt Geld, wer in diesen Stunden Strom abnimmt. Auf deiner Rechnung kommt davon meist nichts an. Stromanbieter kaufen einen großen Teil ihres Stroms im Voraus ein. Und Netzentgelte, die Stromsteuer, Abgaben und Umlagen bewegen sich nicht mit dem Preis an der Börse.
Quellen und weiterführende Links:
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