Erst verkauft der günstigste Bäcker, dann der nächste, und am Ende bekommen alle den Preis des letzten. So ähnlich entsteht der Strompreis an der Börse. Was das mit Solarstrom und dem Gaspreis zu tun hat.
Wer bestimmt eigentlich, was Strom im Großhandel kostet? Und warum wird Strom nicht einfach billiger, wenn so viel Solarstrom im Netz ist? Beide Fragen haben dieselbe Antwort, und sie hat einen Namen: Merit-Order.
Das ist ein Teil vom Crashkurs Strom. In jedem Teil beantworten wir eine Frage. Diese lautet: Wie entsteht der Strompreis an der Börse?
Kurz und knapp: An der Strombörse kommen die Kraftwerke der Reihe nach zum Zug, vom günstigsten zum teuersten im Betrieb, bis der Bedarf gedeckt ist. Das letzte Kraftwerk, das noch gebraucht wird, setzt den Preis für alle in dieser Viertelstunde. Im Großhandel bekommen alle den Preis des teuersten Kraftwerks, das gerade noch gebraucht wird, auch der Solarstrom.
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026
Was ist die Merit-Order?
Die Merit-Order ist die Reihenfolge, in der Kraftwerke an der Strombörse zum Zug kommen. Am einfachsten verstehst du sie auf einem Marktplatz.
Stell dir einen Marktplatz vor, auf dem eine bestimmte Menge Brötchen gebraucht wird. Erst verkauft der günstigste Bäcker, dann der nächste, so lange, bis die Menge gedeckt ist. Und dann passiert das Seltsame: Alle bekommen den Preis des letzten, teuersten Bäckers, der noch gebraucht wurde.
Ähnlich bildet sich der Preis für Strom im Großhandel. Die Kraftwerke kommen der Reihe nach zum Zug, vom günstigsten zum teuersten. Günstig und teuer heißt hier: was es ein Kraftwerk im Betrieb kostet, gerade jetzt Strom zu erzeugen, zum Beispiel für Brennstoff.
Fachleute nennen diese Reihenfolge Merit-Order.
An der Strombörse geht das auf einmal: Alle Angebote werden nach ihrem Preis sortiert, und für jede Viertelstunde gilt ein Preis für alle (Bundesnetzagentur, SMARD; Fraunhofer ISE).
In welcher Reihenfolge kommen die Kraftwerke dran?
Vorn in der Reihe stehen die Anlagen, die im Betrieb am wenigsten kosten. Grob sieht die Reihenfolge so aus:
Wind, Sonne und Wasserkraft aus Flüssen: Sie brauchen keinen Brennstoff und kosten im Betrieb kaum etwas.
Danach kommen Kraftwerke, die Brennstoff verbrennen, zum Beispiel Kohlekraftwerke.
Gaskraftwerke stehen meist weit oben, nah am teuren Ende der Reihe.
Die Reihenfolge kann sich verschieben, zum Beispiel wenn sich die Preise für Brennstoffe ändern. Wie weit die Reihe reicht, entscheidet der Bedarf in der jeweiligen Viertelstunde (Bundesnetzagentur, SMARD).
Warum Solarstrom an der Börse den Preis des Gaskraftwerks bekommt
Läuft am Ende ein Gaskraftwerk mit, bekommt auch der Solarstrom an der Börse dessen Preis, obwohl Sonnenstrom im Betrieb kaum etwas kostet.
Dieser Preis gilt an der Börse, für die jeweilige Viertelstunde. In der nächsten Viertelstunde kann ein anderes Kraftwerk am Ende der Reihe stehen.
Darum wird Strom nicht automatisch billiger, nur weil viel Solarstrom im Netz ist. Solange am Ende ein Gaskraftwerk gebraucht wird, setzt es den Preis. Viel Solarstrom kann teure Kraftwerke aus der Reihe drängen. Dann setzt ein günstigeres Kraftwerk den Preis, und der Preis an der Börse sinkt.
Die Reihe hat auch ein anderes Ende. Decken die Anlagen, die im Betrieb kaum etwas kosten, den Bedarf allein, sinkt der Preis an der Börse stark, manchmal sogar unter null. Wie es dazu kommt, steht im Artikel über negative Strompreise.
Im Großhandel bekommen alle den Preis des teuersten Kraftwerks, das gerade noch gebraucht wird, auch der Solarstrom.
Was hat der Gaspreis mit deiner Stromrechnung zu tun?
Steigt der Gaspreis, kostet Strom aus Gaskraftwerken im Betrieb mehr. Stehen sie am Ende der Reihe, steigt damit der Preis an der Börse für allen Strom in dieser Viertelstunde. Darum kann ein steigender Gaspreis auch auf deiner Rechnung landen.
Das braucht Zeit, und es kommt nur ein Teil davon an. Stromanbieter kaufen einen großen Teil ihres Stroms im Voraus ein, für längere Zeiträume. Preise an der Börse kommen deshalb erst später und nur zum Teil bei den Preisen für Haushalte an (Bundesnetzagentur, SMARD).
2022 war so ein Jahr: Gaskraftwerke setzten an der Börse oft den Preis, und die Preise an der Börse stiegen (Bundesnetzagentur, SMARD).
Und warum kommen negative Strompreise meist nicht an?
Negative Strompreise entstehen am selben Markt. Trotzdem gilt: Auf deiner Rechnung kommt davon meist nichts an. Der Unterschied liegt in der Dauer.
Ein steigender Gaspreis kann Monate anhalten. Hält er an, kommt er mit der Zeit bei den Preisen für Haushalte an. Negative Preise gibt es in einzelnen Stunden.
Dazu kommt: Ein großer Teil der Rechnung bewegt sich gar nicht mit dem Preis an der Börse, weder nach oben noch nach unten. Dazu gehören Netzentgelte, die Stromsteuer, Abgaben und Umlagen.
Was die Merit-Order nicht erklärt
Der Preis sagt nichts darüber, woher dein Strom kommt. Die Merit-Order zeigt, wie sich der Preis an der Börse in einer Viertelstunde bildet. Woher dein Strom kommt, ist eine andere Frage.
Und was hat das mit uns zu tun?
Wir erzählen die andere Hälfte: Dein Strom kommt von Anlagen in deiner Nähe. Wir kaufen ihn dort, wo du ihn verbrauchst.
Häufige Fragen zur Merit-Order
Was ist die Merit-Order einfach erklärt?
Die Merit-Order ist die Reihenfolge, in der Kraftwerke an der Strombörse zum Zug kommen: vom günstigsten zum teuersten im Betrieb. Sie kommen so lange dran, bis der Bedarf gedeckt ist. Das letzte Kraftwerk, das noch gebraucht wird, setzt den Preis für alle in dieser Viertelstunde.
Warum bestimmt das teuerste Kraftwerk den Strompreis?
An der Strombörse gilt für jede Viertelstunde ein Preis für allen Strom. Er richtet sich danach, was das letzte Kraftwerk, das noch gebraucht wird, im Betrieb kostet. Das ist wie auf dem Brötchenmarkt: Alle bekommen den Preis des letzten, teuersten Bäckers, der noch gebraucht wurde.
Warum wird Strom nicht billiger, obwohl es so viel Solarstrom gibt?
Solarstrom kostet im Betrieb kaum etwas und steht vorn in der Reihe. Den Preis setzt aber das letzte Kraftwerk, das noch gebraucht wird. Läuft am Ende ein Gaskraftwerk mit, bekommt auch der Solarstrom an der Börse dessen Preis. Decken die Anlagen, die im Betrieb kaum etwas kosten, den Bedarf allein, sinkt der Preis an der Börse stark, manchmal sogar unter null.
Was hat der Gaspreis mit dem Strompreis zu tun?
Läuft am Ende ein Gaskraftwerk mit, setzt es den Preis an der Börse. Was es im Betrieb kostet, hängt vom Gaspreis ab. Darum kann ein steigender Gaspreis auch auf deiner Rechnung landen, später und nur zum Teil, weil Stromanbieter viel Strom im Voraus einkaufen. Negative Strompreise gibt es dagegen in einzelnen Stunden. Auf deiner Rechnung kommt davon meist nichts an.
Bekommt auch Solarstrom den Preis des Gaskraftwerks?
An der Börse ja: Läuft am Ende ein Gaskraftwerk mit, bekommt auch der Solarstrom an der Börse dessen Preis. Das gilt für den Strom, der an der Börse gehandelt wird. Wer für seine Solaranlage eine Einspeisevergütung nach dem EEG bekommt, erhält den Satz, den das EEG für die Anlage festlegt. Dieser Satz steigt nicht mit dem Gaspreis.
Quellen und weiterführende Links:
Du willst Strom von Anlagen in deiner Nähe? Nachbarschafts-Strom gibt es mit und ohne eigene Solaranlage.
Newsletter abonnieren →